Alles klar, instrumentaler Postrock. Schon wieder. Was vor Jahren noch Begeisterungsstürme hervorgerufen hätte, lässt einen wegen der Überflutung dieses Genres heute oftmals nur noch müde lächeln. Aber trotz der Mengen an Bands gibt es immer noch Platten, die aus der Masse hervorstechen. Caspian haben eine solche geschrieben. Schon wieder. Tertia heißt das neue, das dritte Album der Band aus Boston. Ambient, Postrock auf der einen Seite, eine mächtige Heaviness und ein druckvoller Monolith auf der anderen Seite. EXPLOSIONS IN THE SKY, und MOGWAI kommen einem in den Kopf, beim neuen Album noch mehr als früher eh schon. Und das Beste: Sie müssen sich nicht mal hinter den Referenzen verstecken. Bereits vor 2 Jahren konnten sie uns im Cairo begeistern, Zeit also, dass sie mal wieder vorbeischauen.
CONSTANTS teilen sich Heimatstadt, Labels und nun den Tourbus mit Caspian. Auch hier wird Postrock großgeschrieben, manchmal leise, meistens laut. Soweit nichts neues, hier allerdings mit Vocals. Constants sind Epos, eine Wall of Sound. Breitwand-Gitarren, viel Hall, euphorische Düsternis, grandioses picking-lastiges Gitarrenspiel, vernebelter Gesang (beherzt, aber aus der Ferne), progressive Songstrukturen. Melodien, die sich jedweder Kategorisierung entziehen und im Einklang mit der Musik eine ganz eigenes Bild entstehen lassen. Flight 13 sagt dazu: „Weniger Pathos wie Dredg, mehr Gefühl wie Isis, die Constants könnten völkerverbindend wirken. Werden sie. Müssen sie. Well done.“
Bratze, das waren immer die bei Audiolith, die da musikalisch super reinpassten und zudem noch die mit den guten, weniger plakativen Texten. Ganz weit vorne also. 2 Mal hatten wir sie bereits zu Gast: Einmal im Cairo, einmal im akw! Norman (Der Tante Renate) und Kevin (Clickclickdecker), schon sowas wie eine Audiolith-Supergroup, setzen all dies auf ihrem 2. Album „Korrektur nach unten (und die Notwendigkeit einer Übersetzung)“ unbeirrt fort. Der eine denkt sich kluge Texte aus, der andere unterlegt das Ganze mit einem tanzbaren Beat. Electro-Dance-Songwriter-Indie-Pop schreibt das Label und wahrscheinlich ließen sich da noch so einige andere Worte anreihen, ohne dass es unpassend klingen würde. Und eh klar, Flaschen zerschmeißt man am besten auf Beton!
Nächstes Duo, wieder Audiolith. Rampue an den Reglern, Ira am Mic. Typische Audiolith-Electropunkattitüde paart sich mit 80er Jahre Proto-Dancefloor-Hymnen und zeigt Gespür für die Tanzfläche. Die beiden verbinden treibende Drum’n’Bass-Einflüsse, einen großen Schuss Elektronik und Ira Ataris unvergleichlich charmante Interpretation von partytauglichem PowerPop. DIGITALISM trifft auf LA ROUX? Vielleicht. Beim Audiolith-Festival in den Posthallen waren sie bereits als Opener dabei und noch nie zuvor hatten sie vor so vielen Leuten gespielt, wie sie noch immer in Interviews schwärmend erwähnen. Jetzt kommen sie endlich wieder zurück nach Würzburg!
Weltweit legen alle ihre Knicklichter weg und wünschen sich ihren Nu-Rave-Kater weg, da kommen plötzlich Bands wie DELPHIC oder HURTS und zeigen einen Ausweg aus dem Dilemma, indem sie die 80er nicht nur als Partyjahrzehnt interpretieren. I HEART SHARKS, die sich 2007 in Berlin trafen, ließen sich da auch nennen, Krautrock trifft auf Neue Deutsche Welle trifft auf englische Texte. Elektronische Musik – von richtigen Menschen live auf der Bühne gespielt, nicht aus Laptops oder Sequenzern kommend. Im Herbst 2009 waren sie erst bei uns und es sagt einiges über unsere Begeisterung, dass wir sie jetzt bereits ein 2. Mal nach Würzburg holen. Die erste Mini-CD ist raus und lang wird es nicht mehr dauern, dass die Jungs ihren Geheimtippstatus verlassen werden.
Die meisten Subkulturen sind »homosozial« geprägt, wie Matthew Bannister in seiner Studie »White Boys, White Noise« herausarbeitet: Sie bestehen aus hierarchischen, vorwiegend männlich geprägten Strukturen.
Dieser Befund gilt weitgehend auch für die Punk- und Post-Punk-Szene. So wurde zum Beispiel die amerikanische Hardcore-Szene zu Beginn der 1980er fast ausschließlich von jungen Männern bestimmt. Nicht nur Homosexualität wurde hier ausgeklammert, sondern Sexualität an sich war kein Thema. Erst mit der Riot Grrrl- und Queercore-Bewegung in den 1990er-Jahren erkämpften sich Frauen, Lesben und Schwule innerhalb der Szene wieder Gehör.
Die Frage nach den Geschlechterverhältnissen im Punk ist deshalb so komplex, weil es innerhalb der Punk-Bewegung schnell zu einer Ausdifferenzierung gekommen war: Der Art-School-Punk bzw. Post-Punk bevorzugt nicht nur musikalisch das Experiment, sondern hat seit Bands wie den Slits und X-Ray Spex auch gegen konventionelle Geschlechterrollen und Identitätsmodelle angekämpft. Der orthodoxe Street-, Oi!- und später Hardcore-Punk wird dagegen von einem konservativen Männerbild bestimmt, was so weit geht, dass die Deutschpunk-Band Terrorrgruppe noch 1998 mit dem schwulenfreundlichen Song »Neulich Nacht« bei vielen Fans auf Ablehnung stieß.
Ein weiterer Themenkomplex ist die aus dem Hardcore hervorgegangene Emo-Bewegung, die heute als weltweite Jugendmode auftritt und von vielen anderen Jugendlichen wegen ihrem androgynen Auftreten abgelehnt wird. Wie kommt es, dass Androgynität in unserer Zeit noch ein solches Provokationspotenzial in sich birgt?
MONOCHROME an diesem Abend, das passt wie die Faust aufs Auge. In der oben erwähnten Essay-Sammlung „Emo“ von Büsser befindet sich auch der Versuch (und mehr kann es nicht sein) einer Emo-Diskographie, in der auch MONOCHROME genannt werden: „Aus Dawnbreed erwachsene deutsche Band, die auf hohem technischen Niveau Emo hierzulande salonfähig machte, dabei die rockige Variante a la Jawbox mit weiteren Elementen wie Doppelgesang-Männlein/Weiblein verband und bis heute erfolgreich blieb.“ Was soll man da noch mehr sagen? Das hier vielleicht: Mittlerweile sind die Musiker über ganz Deutschland (und die Schweiz) verteilt, weswegen wir uns umso mehr freuen, einen ihrer seltenen Auftritte präsentieren zu können.
Die Aufnahmen für die neue Platte dem Label auf einer stinknormalen Demokassette bzw. einem VHS-Band einreichen – das hat verdammt noch mal in Zeiten der Digitalisierung richtig Stil. Richtig viel sogar. Dementsprechend krachig, garagig, überdreht und scheppernd klingt der schräge, chaotische, noisige Lärm des Trios aus Columbus auch, das die letzten beiden von ihren mittlerweile 4 Alben sogar auf der Indie-Institution MATADOR (u.a. SONIC YOUTH, JAY REATARD, FUCKED UP) veröffentlichen durften. Old-School-Indie in perfekter Machart, denn hinter all dem Lärm verbergen sich wunderbar zuckrig-süße Popsongs mit Mann-Frau-Gesang, die sowohl an GUIDED BY VOICES als auch PAVEMENT erinnern und von NME über VICE zu PITCHFORK wirklich die komplette Musikpresse überzeugen können. Neben 3 Supportshows für CRYSTAL ANTLERS spielen sie auf ihrer Deutschlandtour noch 4 Clubgigs – einen davon in Würzburg! Ohrenstöpsel bitte nicht vergessen!
Mit dabei im Cairo ist SCHIMMY YAW aus Fürth, der den Diskurs zwischen Track und Song in die nächste Runde führt. Mit Sampler und Glockenspiel verhilft der Vokalist mal der einen mal der anderen Seite zu einem kurzfristigen Übergewicht. Der ultimative Verräter von Hip Hop, Elektro, Noise und Songwriting. Übrigens Bayerns Band der Woche auf unserem Lieblingssender on3-Radio.
Manchmal geht`s richtig schnell: Ein Track auf dem Sampler „Kitsune Maison 6“, eine mittlerweile in der Erstpressung ausverkaufte 4-Song-EP auf dem nu-rave-hipster-Label KITSUNE, "Best Electronica Act 2008" bei den britischen Indie Awards, 2 limitierte und in Eigenregie veröffentlichte EPs, ein Auftritt in der 3. Staffel der britischen TV-Serie „Skins“. Und das alles innerhalb eines Jahres. Nun rechtzeitig zum Release des ersten Longplayers ein paar wenige Europadates. Zwischen Zürich und Wien war noch ein Termin frei und was passt da besser als Würzburg!!! Die zwei von YLHCSD schreiben über Superhelden, Superhelden und Superhelden, meistens aber über Superhelden. Dazu 8-bit-Gameboy-Electronica, Boy-Girl-Duo, extrovertierte und schreiende Frontfrau, klar, dass das sofort an CRYSTAL CASTLES erinnert. Klar aber auch, dass es kein billiger Abklatsch ist. Im Gegenteil. AUTOKRATZ klingen bei ihrem chaotischen Elektropunk genauso durch wie DIGITALISM, KAP BAMBINO oder die AUDIOLITH-Kids von BONDAGE FAIRIES. Also nicht verpassen, wenn YLHCSD durch den Pleicher Hof fegen – Superhelden-style natürlich.
ITALIANS DO IT BETTER RECORDS sind das Ding der Stunde und haben dies v.a. Labelbesitzer und Produzent Johnny Jewel zu verdanken, der auch zusammen mit Sängerin Ida No seit 1996 das Projekt GLASS CANDY bildet. Angefangen im gitarrenorientierten Postrock ist man schon lange bei der Wiederbelebung von Italo-Disco angekommen und zu dessen Speerspitze geworden. Absolut tanzbarer Elektropop, eine Mischung aus Hip Hop Beats, Funk, Krautrock und Italodisco. Erinnert an GIORGIO MORODER, BLONDIE, KRAFTWERK und SIOUXIE genauso wie an LCD SOUNDSYSTEM oder HERCULES AND THE LOVE AFFAIR. Abseits von großen Medienhypes füllen sie seit Jahren die angesagten Clubs weltweit und unterlegten auf Wunsch von Karl Lagerfeld schon mehrmals die Chanel Haute Couture Shows. Und wie geil ist es jetzt bitte schön, eines von nur drei Deutschland-Dates auf der Europatour bekommen zu haben? Würzburg neben Paris, London, Berlin, Barcelona und Porto ;)
Großstadt. Die Sonne geht schon längst auf, die meisten Gäste haben den Club bereits verlassen. Noch ein letzter Slowdance unter der Discokugel, um die Nacht ausklingen zu lassen. Enter DESIRE: DESIRE sind Nat Walker (Chromatics), Johnny Jewel (Glass Candy) und die Sängerin Megan Louise, welche Glass Candy auf einer ihrer Touren in Montreal kennen lernten und so begeistert waren, dass sie sofort dieses Projekt ins Leben riefen. Diese kleine Indie-Dance-Supergroup veröffentlicht ebenfalls auf ITALIANS DO IT BETTER RECORDS. Verträumter und melancholischer als Glass Candy, aber mindestens ähnlich verführerisch. Die Wiederkehr des New Romantic-Sounds, zwischen Indie, Wave, Elektro und Synthie-Pop. Und neben all der 80er Bezüge lassen sich auch neuere Acts wie SALLY SHAPIRO oder ANNIE droppen.
Manchmal dauert es eben etwas länger: Bereits im letzten Jahr erschien „Fight like apes and the mystery of the golden medallion“, der erste Longplayer der Dubliner Indierocker und Wrestlingfans FIGHT LIKE APES, in ihrer Heimat Irland und in England. Darauf folgten zahlreiche Konzerte u.a. mit THE TING TINGS oder THE PRODIGY, man stürmte die Festivalbühnen in Leeds/Reading oder Glastonbury und schnell hatten sie sich den Ruf einer lauten, wilden und genialen Liveband erspielt. Und erst September 2009, beinahe ein Jahr nach Erstveröffentlichung, kommt die Platte offiziell nach Deutschland. Dreiminütige rauhe, herrlich überdrehte Popsongs, die immer mal wieder nach wildem Punk riechen, wären da nicht diese zuckersüßen Keyboardmelodien und die Stimme von Sängerin Maykay. Irgendwie klingt das nach rauheren Los Campesinos, nach punkigeren Atom and his package, nach durchgeknallteren Le Tigre.
Zum ersten Mal haben DADAJUGEND POLYFORM 2005 in Kulmbach mit dem Gedanken gespielt, Musik zu machen, als sich zwei Jungs, zudem Cousins, im Keller an Computer und Keyboard wagten. Zum ersten Mal haben wir sie 2008 in Nürnberg vor WE ARE WOLVES wahrgenommen, als dem Publikum neben Beats auch Konfetti und Plastiksonnenbrillen um die Ohren flogen. Nach dem Konzert auch nachvollziehbar, dass die Dadas bereits 2007 im Jahrespoll bei den besten Livebands im INTRO gelistet wurden – trotz noch sehr begrenzter Livepräsenz. Daran hat sich einiges geändert. Keller wurde immer häufiger gegen Klub getauscht, Konfetti blieb und auch labeltechnisch hat die noch junge Band bei AUDIOLITH in Hamburg eine Heimat gefunden, wo 2009 eine Remixscheibe des mittlerweile auf Erlangen, Nürnberg und Kulmbach verteilten Trios erschien. Und zur Musik? Wave, Punk und Rave, textlich mal Deutsch, mal Englisch, mal Dada.
Eine fast noch kürzere Bandgeschichte haben I HEART SHARKS, die es erst seit Ende 2007 gibt, als Pierre von London noch Berlin zog und dort anfing mit Simon und Georg Musik zu machen. One english boy. One german boy. One confused boy. Also ebenfalls ein Trio und da hören die Parallelen zur Dadajugend noch lange nicht auf. Musikalisch sich irgendwo zwischen Indietronic, New Rave und Indie ankuschelnd erinnern die Jungs aber auch an die Hamburger DANCING PIGEONS. Elektrisierend und elektrisch (ohne auf Sequencer zurückzugreifen. Nene, da wird alles live gespielt und gedrückt).
Sometree sind wohl eine der großartigsten deutschen Livebands. Irgendwo in den Koordinaten Post-Rock, Indie und Melancholie zu Hause, ist es immer wieder ein Erlebnis Sometree auf der Bühne zu erleben. Mal laut, mal leise. Mal Platz für Fragiles, Klavier, Bläserarrangements, mal Gitarren mit dem Kopf durch die Wand. Tolle Momente, mit den Sometree-typischen Melodie- und Rhythmusverästelungen. Manchmal nicht einfach, aber immer eine besondere Erfahrung. Live stellen die vier Wahl-Berliner und Autodidakten, die bereits seit 1994 zusammenspielen und sonst auch in diversen anderen Projekten aktiv sind, ihr neues Werk 'Yonder' vor. Entstanden in der Abgeschiedenheit eines brandenburgischen Zweiseelendorfes eine Reise zwischen Intensität und Tiefgang.
Singer/Songwriter aus Berlin. Seine Instrumente: Eine Gitarre und ein Plattenspieler. Wenn sich das mal nicht spannend anhört...
John Vanderslice, US-Amerikanischer Indierock-Singer/Songwriter aus Gainesville (Florida) ist im zehnten Jahr seiner Solokarriere ein exzellentes und auch märchenhaftes Meisterwerk zum eigenen Jubiläum gelungen. Sein neuer Longplayer „Romanian Names“ sind zwölf leidenschaftliche und emotionale Geschichten über ein gebrochenes Herz und wie man damit umgehen könnte. Weniger Gesellschaftskritik als auf den Vorgängern (auch hier scheint sich das Ende der Bush-Ära bemerkbar zu machen), dafür ein charakteristisches, exzellentes und märchenhaftes Album, das seinen Status als einer der wichtigsten Songwriter der Gegenwart bestätigt. Eines von nur sechs Deutschland-Konzerten.
Vielleicht ist der Vergleich mit „Get well soon“ anfangs gar nicht so falsch, denn auch CARGO CITY machen Singer-Songwriter-Folk mit englischen Texten, dem man die deutsche Herkunft (in diesem Fall Frankfurt) so gar nicht anhört. Ist als großes Kompliment gemeint. Die bittersüß-melancholischen Akustiksongs sind garniert mit elektronischen Elementen. Piano, Gitarre und Xylophon treffen auf Synthies und Elektro-Samples. Manches erinnert an Beirut, manches an Xiu Xiu und plötzlich guckt auch Nick Drake um die Ecke. 2009 wurde das zweite Album veröffentlicht, das vom Musikexpress mit dem Attribut „überraschend andersartig“ geadelt wurde und auch so jede Menge begeisterter Kritiken kassieren konnte. Und das beste zum Schluss: im CAIRO werden Cargo City nicht in voller Bandbesetzung an den Start gehen, sondern lediglich zu zweit – intimer geht es ja wohl kaum.
Prost, Audiolith! Altes Haus, da kommen wir also schon wieder zusammen! Ist ja aber auch nicht so verwunderlich bei dem Output des Hamburger Labels! Dieses Mal Vorhang auf für: DER TANTE RENATE, bekannt von seinem legendären Auftritt auf dem Gothaer Sommerstartfestival! War aber auch schon einmal in Würzburg zu Gast und zusätzlich noch zweimal als eine Hälfte von BRATZE! Damals im Cairo wirbelte der/die/das Tante wie der Tasmanische Teufel mit seiner E-Gitarre über die Bühne und ignorierte Hitze und sonstige negative Einflüsse auf die Ausdauer, während all das von feinstem derbstem Electro unterlegt war. Und genauso heftig geht es auch auf der neuen Platte „Splitter“ zu. “Schluß mit Lo-Fi, jetzt wird der Tanzboden abgebrannt, ohne Gefangene! Die Bässe sind unglaublich dick, die Synths scharf wie eine 24fach gefaltete japanische Stahlklinge, der Aufbau und die Dynamik der Songs spannend wie bei Saw und das Finale krass wie das Wagenrennen aus Ben Hur ....“, so steht das im Internet und so peinlich es klingen mag, so passt das irgendwie auch. Instro-Techno-Rave für Leute, die nicht nur Daft Punk und Justice, sondern auch Kreator und Beverly Hills Cop mögen.
Soviet Lowtech Dance Music aka Russlands Revanche für Michael Rust. Während er auf dem Roten Platz landete, landet diese Duo mitten auf unseren Tanzflächen: “Arnold und Sergey haben sich bei audiolith eingeschlichen, um die Gehirne westlicher Konzertbesucher zu schädigen, indem man sie durch das Abspielen eines kodierten Rhythmus-Codes zum Saufen bringt.“ Soso. Verpackt ist dieser Code in geniale Techno-fancydancy-Musik. Poppig, punkig, minimalistisch, wild! Nie war russische Propaganda süßer und catchier. Perfekte Tarnung also, um neben ihren Kollegen von Frittenbude, Egotronic und Bratze mal wieder zu zeigen, warum Hamburgs Audiolith-Label die Nummer 1 im alternativen Elektro ist.
Aus drei mach zwei, wer braucht schon Schlagzeuger, alles zurück auf Anfang, als Dance Inc noch ein Duo waren. Ansonsten ändert sich nicht viel, denn auch beim 3. Besuch der Hamburger im Cairo bieten sie coolen leicht melancholischen Elektropop mit 80er-NewWave-Indie-Affinität. Cure fällt einem da ein, oder auch New Order, vielleicht sogar Depeche Mode oder Pet Shop Boys. Will gar nicht so passen zu ihren sonstigen Kollegen auf Audiolith Records, denn mit Kirmestechno hat dies hier wenig zu tun, und spricht für die musikalische Bandbreite bei gleichbleibend hoher Qualität des Ausnahmelabels.
Fuck Winter, weil du ein Arschloch bist, aber zum Glück sind Locas in Love nicht Turbostaat und haben deshalb der kalten Jahreszeit sogar ein ganzes Album gewidmet in der Tradition der großen Weihnachtsalben von u.a. Beach Boys, Elvis, Sufjan Stevens, Johnny Cash oder Low.
Für den Umsturz, den wir planen, ist noch bis Frühling Zeit heißt es dann auch folgerichtig aus Köln und um der gemütlichen heimischen Zeit gerecht zu werden, hat man das Album nicht, wie noch bei Saurus geschehen, in monatelanger nach Perfektion strebender Studioarbeit aufgenommen, sondern in der intimen Atmosphäre der eigenen Wohnung mal in Köln, mal in New York.
Soll aber jetzt nicht heißen, dass hier zu lo-fi gearbeitet wurde, denn Geigen, Glockenspiel, Klavier und Trompete sowie div. Gastmusiker (u.a. Leute von Magnetic Fields, Le Tigre und the National) lassen sich auch hier finden. Und ebenfalls erneut Ehrensache, dass ihre Musik, die sich irgendwo zwischen Poesie, Country, Noise und klassischem amerikanischen Indierock abspielt, bzw. die CD und LP wieder liebevoll verpackt wurden. Und da ein Konzeptalbum ja immer was besonders ist, wird dies auch für das Konzert gelten, wo die 11 Songs des neuen Albums der Musiker, die auch bei Karpatenhund und Graf Zahl aktiv sind, im Mittelpunkt stehen werden. Wird toll und kuschelig. Ich gehe mir den Eissturm ansehen vom Fenster aus. Ich gehe mir den Eissturm ansehen, kommst du mit?Aktuelle Termine:
09.10.: Playing Discorocker: MAY68 (UK)
26.10.: The Kabeedies + Reflekta Reflekta
13.11.: Großstadtgeflüster + support
30.11.: Rocky Votolato