Manchmal geht`s richtig schnell: Ein Track auf dem Sampler „Kitsune Maison 6“, eine mittlerweile in der Erstpressung ausverkaufte 4-Song-EP auf dem nu-rave-hipster-Label KITSUNE, "Best Electronica Act 2008" bei den britischen Indie Awards, 2 limitierte und in Eigenregie veröffentlichte EPs, ein Auftritt in der 3. Staffel der britischen TV-Serie „Skins“. Und das alles innerhalb eines Jahres. Nun rechtzeitig zum Release des ersten Longplayers ein paar wenige Europadates. Zwischen Zürich und Wien war noch ein Termin frei und was passt da besser als Würzburg!!! Die zwei von YLHCSD schreiben über Superhelden, Superhelden und Superhelden, meistens aber über Superhelden. Dazu 8-bit-Gameboy-Electronica, Boy-Girl-Duo, extrovertierte und schreiende Frontfrau, klar, dass das sofort an CRYSTAL CASTLES erinnert. Klar aber auch, dass es kein billiger Abklatsch ist. Im Gegenteil. AUTOKRATZ klingen bei ihrem chaotischen Elektropunk genauso durch wie DIGITALISM, KAP BAMBINO oder die AUDIOLITH-Kids von BONDAGE FAIRIES. Also nicht verpassen, wenn YLHCSD durch den Pleicher Hof fegen – Superhelden-style natürlich.
Die Aufnahmen für die neue Platte dem Label auf einer stinknormalen Demokassette bzw. einem VHS-Band einreichen – das hat verdammt noch mal in Zeiten der Digitalisierung richtig Stil. Richtig viel sogar. Dementsprechend krachig, garagig, überdreht und scheppernd klingt der schräge, chaotische, noisige Lärm des Trios aus Columbus auch, das die letzten beiden von ihren mittlerweile 4 Alben sogar auf der Indie-Institution MATADOR (u.a. SONIC YOUTH, JAY REATARD, FUCKED UP) veröffentlichen durften. Old-School-Indie in perfekter Machart, denn hinter all dem Lärm verbergen sich wunderbar zuckrig-süße Popsongs mit Mann-Frau-Gesang, die sowohl an GUIDED BY VOICES als auch PAVEMENT erinnern und von NME über VICE zu PITCHFORK wirklich die komplette Musikpresse überzeugen können. Neben 3 Supportshows für CRYSTAL ANTLERS spielen sie auf ihrer Deutschlandtour noch 4 Clubgigs – einen davon in Würzburg! Ohrenstöpsel bitte nicht vergessen!
Die meisten Subkulturen sind »homosozial« geprägt, wie Matthew Bannister in seiner Studie »White Boys, White Noise« herausarbeitet: Sie bestehen aus hierarchischen, vorwiegend männlich geprägten Strukturen.
Dieser Befund gilt weitgehend auch für die Punk- und Post-Punk-Szene. So wurde zum Beispiel die amerikanische Hardcore-Szene zu Beginn der 1980er fast ausschließlich von jungen Männern bestimmt. Nicht nur Homosexualität wurde hier ausgeklammert, sondern Sexualität an sich war kein Thema. Erst mit der Riot Grrrl- und Queercore-Bewegung in den 1990er-Jahren erkämpften sich Frauen, Lesben und Schwule innerhalb der Szene wieder Gehör.
Die Frage nach den Geschlechterverhältnissen im Punk ist deshalb so komplex, weil es innerhalb der Punk-Bewegung schnell zu einer Ausdifferenzierung gekommen war: Der Art-School-Punk bzw. Post-Punk bevorzugt nicht nur musikalisch das Experiment, sondern hat seit Bands wie den Slits und X-Ray Spex auch gegen konventionelle Geschlechterrollen und Identitätsmodelle angekämpft. Der orthodoxe Street-, Oi!- und später Hardcore-Punk wird dagegen von einem konservativen Männerbild bestimmt, was so weit geht, dass die Deutschpunk-Band Terrorrgruppe noch 1998 mit dem schwulenfreundlichen Song »Neulich Nacht« bei vielen Fans auf Ablehnung stieß.
Ein weiterer Themenkomplex ist die aus dem Hardcore hervorgegangene Emo-Bewegung, die heute als weltweite Jugendmode auftritt und von vielen anderen Jugendlichen wegen ihrem androgynen Auftreten abgelehnt wird. Wie kommt es, dass Androgynität in unserer Zeit noch ein solches Provokationspotenzial in sich birgt?
MONOCHROME an diesem Abend, das passt wie die Faust aufs Auge. In der oben erwähnten Essay-Sammlung „Emo“ von Büsser befindet sich auch der Versuch (und mehr kann es nicht sein) einer Emo-Diskographie, in der auch MONOCHROME genannt werden: „Aus Dawnbreed erwachsene deutsche Band, die auf hohem technischen Niveau Emo hierzulande salonfähig machte, dabei die rockige Variante a la Jawbox mit weiteren Elementen wie Doppelgesang-Männlein/Weiblein verband und bis heute erfolgreich blieb.“ Was soll man da noch mehr sagen? Das hier vielleicht: Mittlerweile sind die Musiker über ganz Deutschland (und die Schweiz) verteilt, weswegen wir uns umso mehr freuen, einen ihrer seltenen Auftritte präsentieren zu können.Aktuelle Termine:
13.03.: Playing Discorocker: You love her coz she's dead
06.04.: Times New Viking + support
17.04.: Monochrome + Lesung mit Martin Büsser: Geschlechterverhältnisse in Punk, Post-Punk und der Emo-Bewegung
01.05.: Cairo Hoffest: Bratze + support
20.05.: Caspian + Constants